Provence Juni 2006


Eine abwechslungsreiche Rundfahrt durch Provence, Hochprovence, Seealpen und Cote Azure.


Samstag, 3. Juni: 


Vor 4 Tagen Entscheidung für die Provence. Kaufe bei Travel Overland Charter Ticket von Otto-Reisen / Bucher Reisen / Mount Cook Reisen / Condor / Lufthansa. Kostet wie der letzte Flug nach Pisa wieder 109,- Euro inkl. + 50,- Euro fürs Rad.
Früh ausschlafen, tagsüber packen, Rad in Karton verpacken, 15:22 zur U-Bahn. Am Flughafen Zeitung lesen, Kaffee trinken, Brot kaufen. 18:30 Start, 19:20 in Marseille. 19:50 Shuttle Bus zum Bahnhof,
8.50 Euro. Ticket kaufen, 20:49 Zug nach Ciotat. Tierisch warm und mild, schwere Kiefernluft.
Ein Typ will mich mit dem Auto zum Camp mitnehmen, lasse einer Deutschen mit ihrem Sohn den Vortritt und baue lieber gleich mein Bike zusammen. Boxer ist schon da. Er ist eine Stunde rumgeirrt, um den Platz zu finden. Der Chef des Camps meint, ich soll meinen Schlafsack neben Boxers Zelt legen und nicht aufbauen, weil ab 23:00 absolute Ruhe ist. Es ist schon 23:20 Uhr. Das mache ich gern, die Luft ist mild und trocken.
Wir trinken noch ein Bierchen auf der Terrasse am Meer, Abendbrot, 02:00 Ruhe.

Sonntag, 4. Juni: 

9:00 raus, heiß. Espresso am Meer, Duschen, Frühstück, Zug nach Toulon / Le Arcs Draguignan. Kostet (Fahrrad kostenlos !) 13,60 Euro. Le Arcs anschauen. Mittelalter-Stadtzentrum. Auf Nebenstraßen Richtung Draguignan. Ein Weingut am anderen, eingebettet in malerische Hügel, teils urwüchsiges Buschland, teils parkartig.
Draguignan: Der Blumenkarnevals-Umzug ist in vollem Gange, als wir eintreffen. Umzug anschauen, Tomaten beim Araber kaufen, Brot beim Bäcker, es ist Feiertag, fast alle Geschäfte sind geschlossen.

Hinter Draguignan dann der erste, üppig grüne, Canyon. Heftiger Anstieg.  Finden dann kurz vorm Sperrgebiet einen Wiesen-Pfad in den Dschungel mit einer malerischen Wiese mitten im Busch. Abends in der Dunkelheit toben die Wildschweine ums Camp.

Montag, 5. Juni: 

9:00 auf, 11:30 los. Dunkle Wolken Richtung Canyon. Durch die Eichenwald-Hügellandschaft des Sperrgebietes. Alle paar Meter ein Verbotsschild.  Cafe au lait im freundlichen Bistro von Comps. Leichter Regen setzt ein, wir sitzen auf der überdachten Terrasse und kaufen eine Wanderkarte 1:25000.
Weiter auf einsamer Strecke zum Verdon Canyon. Als wir den Canyon erreichen, kommt die Sonne wieder durch: Ausgiebiger Teatime-Stop am "Balcony", unterhalb der Gaststätte auf einem Felsen, 5 m Kraxelei vom zweiten Ausblick.
Fahren über die Artuby-Brücke, der Aufstieg zum Tunnelpaß auf komplett erneuerter Straße, der nagelneue Asphalt überstinkt die Kräuterdüfte. Gegenüber längs der Route de Crete ziehen sich die Straßenbau-Abraumhalden hunderte Meter tief in den Canyon. Oben in der Tunnel-Galerie ereilt uns Sturm und Regen,  volle Winter- und Regen-Ausrüstung anlegen, Eibrot essen. Es klart auf, fahren runter zum Panoramahotel.
Auf der regennassen Terrasse ein Bierchen mit gigantischem Panorama-Blick. Krass kalkiges Wasser aus dem Gartenschlauch. Einen Kilometer weiter Biwak auf einer idyllischen Wiese tief im Busch. 23:00 Ruhe, 10 Grad.

Dienstag, 5. Juni: 

8:00 raus, nachts mit beiden Schlafsäcken + Socken etwas zu warm. 10:00 Start, Boxer später. Langer Anstieg zum Pass, Straße immer noch nagelneu, im Tagesverlauf immer mehr Autos & Motorräder & Busse, hält sich insgesamt aber im Rahmen.
Ausgiebig Kaffee trinken auf dem Felsen ein Stück hinter dem Paß. Boxer holt auf. Abfahrt. Kurz hinter dem Paß die erste Trinkwasser-Quelle der ganzen Tour ! Mittelmäßiger Kaffee auf der Terrasse des Seeblick Panorama-Restaurants.

Lange Abfahrt zum ersten Touristen-Ort. Keine Baguettes, aber Tomate und Salami. Leckere Birnen, Erbsen, Magnum im Tante Emma Laden in der Gegend mit den Touri-Lokalen.  Abfahrt zum idyllische wirkenden Stausee, Teatime am ersten Strand mit schönem Berg-Panorama. Über die Verdons-Stausee-Brücke, der Bootsverleih in die Schlucht wird gut genutzt, schönder Blick in den Canyon.  Sehr heiß hier unten.

Schweißtreibende Auffahrt nach Moustiers. Gehen auf den oberen Camping mit spektakulärem Fels- und Altstadt-Blick. Duschen & Klamotten waschen. Boxer baut sein Zelt auf, ich biwakiere. Ein Pärchen hat die beiden letzten (Mini-)Baguettes im Ort erwischt, 19:00 ist der Laden zu.

Ortsbesichtigung. Idyllisch in den Felsen geklebte, freundliche Altstadt. Nur ca. 1/3 der Hotels und Gaststätten hat offen. Wir landen etwas abgelegen in einer Pizzeria in einer Gasse mit Bergblick. Warme und milde Luft um 21:00 Uhr beim draußen sitzen. 22:30 Uhr retour zum Camp. Ich baue doch noch mein Zelt auf, zuviel Ungeziefer. 0:00 Ruhe, 18 Grad.

Mittwoch, 7. Juni: 

9:00 raus, die Salewa-Daune war zu warm, nachts gewechselt gegen die Kaufhof-Daune. Später zu kühl, da nur Unterhemd an oben wegen großer Wäsche. Ich muß Boxer wie üblich raushauen, fährt sofort los zum Baguette holen; bekommen noch 4 Scheiben selbstgebackenes Schwarzbrot von unseren schwäbischen Nachbarn.
Kochbeutel nähen, SMS verschicken.

11:50 Uhr zahlen, Boxer kramt noch. Es zieht zu,  kühl, trübe, windig. Aufstieg nach La Palud, eine stürmische Teatime mti Canyon-Blick. Gehen oben auf den weitläufigen,  zu 90% leeren Munizipal-Camping; angenehme, lockere Atmosphäre. Pro Zelt 2€ + pro Person 2,70 €.
Toller Supermarkt im Ort, klein aber fein. Essen brutzeln, Baguettes rösten, es ist kalt kalt, trotzdem noch ein Schluck Rotwein. 0:10 Uhr Nachtruhe, 10 Grad draußen.

Donnerstag, 8. Juni: 

Leggins an, 1x Socken, Salewa Daune, nachts noch Kaufhof Daune drüber, kalte Füße und Hintern, morgens 10 Grad im Zelt. 8:20 raus. Bäcker, Supermarkt, Post hat nur Rubbel-Telefonkarten, gehen nicht am Camping-Platz-Telefon, da braucht man France Telecom ... Gibt's angeblich am Tabacco Shop.

10:20 Start zur Route de Crete. Sensationelle Bike-Strecke, 2 Steinadler, gigantische Steilwände mit Kletterern, 33 Jahre alte, gut eingewachsene Einbahnstraße, alte Kiefern, relativ wenig Verkehr. Spektakulärer Kraxel-Teatime-Platz etwas ab vom ersten Belvedere nach dem Paß. SMSen & Memos schreiben. Magischer Platz ! Links die Steilwände, in der Mitte der weiteste Teil des Canyons, dahinter Richtung Osten tiefgestaffelt die Berge des oberen Verdon Canyons und das alles bei schönstem Sonnenschein, dazu ein recht geschützter Sitzplatz direkt über dem Abgrund.

Weiter zur CAF-Hütte am Beginn des Wanderwegs, Boxer trinkt Espresso, ich esse am Hang Baguette. Weiter im schönsten Abendlicht den Canyon entlang und durch ein Seitental nach La Palud. Toller Blick am Talausgang im Abendlicht auf La Palud und die Berge dahinter und nach rechts auf die Canyon-Berge. Duschen, Telefonieren, die Börse fällt ohne Ende. Ewig warten am einzigen Internet-Computer. Eine Amerikanerin wird nicht fertig. 22:45 im Camp. Essen, 24:00 Ruhe.  

Freitag, 9. Juni: 

Kollosales Vogelkonzert. 6.30 raus. 3 Grad ! Milchkaffee brühen, Boxer wecken, packen, 7.45 Start. Bäcker, rüber nach Maline, 8.55 loslaufen. Schöne frische Morgenstimmung. Stahlblauer Himmel. Immer auf und nieder am Hang entlang, selten in Wassernähe. Sardinien-Atmosphäre am Anfang im schmalen Teil mit den alten Eichen und den rotbraunen Kalkfelsen.
Sehr schöne Strecke, extrem trocken, nirgends Quellen. Einmal verlaufen, ein Erzgebirgler-Pärchen auch, dreht um, ist seit langem ihr erster Urlaub, jetzt wo die Kinder aus dem Haus sind. Sie finden Frankreich gut mit den vielen preiswerten und angenehmen Campingplätzen. Wir gehen bis zum Aussichtspunkt an der Leiter, von dort nur Canyon-Schlauch bis zu den großen Wänden. Gehen retour und rüber zur Artuby-Mündung ("Mescla"). Sehr schöne Ecke.
Kurz vor Ende des Aufstiegs 20 Adler über mir ! Zunehmend dunkle Wolken am blauen Himmel, aber kein Regen. Retour, 17:15 in La Palud, nirgendwo France Telecom Telefonkarten für die zahlreich vorhandenen Karten-Telefone. Guter Espresso im Internet Cafe. Eis essen, Duschen, waschen, Memos schreiben.
Unser Radler-Freund schläft heute im Auto, wegen der Kälte. Er meint, es ist sonst nachts nicht so kalt hier zu dieser Jahreszeit. Essen, 22:30 Ruhe.

Samstag, 10. Juni: 

8:30 raus, Kaffee, Super-Wetter. Luftmatratze läßt Luft, aufwändiger Test im großen Waschbecken, Herstellungsfehler am Ventil-Klebestellen-Knick. Reparieren mit Seam Grip an zwei Stellen. Außerdem noch Zelt reparieren, ist eingerissen an der Frontabspannung. Packen, losfahren wollen, Rad ist platt. Flicken, pumpen wollen, Pumpe ist kaputt, Boxer ist schon weg. Pumpe vom Nachbarn borgen, der Nachbar verschwindet, ich soll die Pumpe hinter den Wohnwagen tun.
Losfahren, 3 km hinter dem Camp wieder platt. Halb tragend retour, wieder auf der angeschliffenen Innenseite ein Loch, aber an anderer Stelle. Felge mit Heftpflaster neu umwickeln, Mantel innen mit Sandpapier abschleifen, nur noch 2,5 Bar Luft drauf. Jetzt scheint es zu halten. Runter ins Tal, hoch zum Point Sublime, dann Fahrt zum unteren Parkplatz in die Schlucht. Absolut spektakulär, hat die zwei Sterne auf der Karte locker verdient. Viele Kommerz-Rafter mit Minibussen. Einige schöne Wanderwege durch die tolle Gegend. Beste Spätnachmittags-Beleuchtung !

Hoch zur Straße, weiter durch eine Bilderbuch-Landschaft leicht aufwärtsden Verdon Canyon entlang. Der erste Camping taugt nichts, außerdem zu teuer. Der zweite liegt in spektakulärer Felskessel-Lage direkt in einer Flußschleife, ist Drei-Sterne und trotzdem preiswert, mit gute Gaststätte, Pool. SB-Laden. Boxer braucht wieder mal ein Weilchen, um zu begreifen, welch ein Superhit dieser Platz ist.
Zu 50% von Holländern belegt. Butter und Tomaten kaufen. Grandioser Abendbrot-Platz unten am Fluß, während die Stinos in ihren Wohnwagen hocken. Boxer spendiert ein leckeres Weinchen. Erstmalig seit der Küste ist es wieder warm am Abend, sitze um 22:00 immer noch im Hemd am Fluß. 300 Meter tiefer als la Palud und unten im Canyon, es ist eine komplett andere Klimazone. 23:00 Uhr, 17 Grad, Nachtruhe.

Sonntag, 11. Juni: 

8:30 raus, nachts wieder ein Leck in der Matte, außerdem starker Temperaturabfall auf 10 Grad am Morgen, Schlafsacktausch. Milch & Baguette & reichlich Obst holen. Frühstück, Matte reparieren, frühstücken, packen. Dieses Mal war die gleiche Ecke am anderen Ventil der Matte betroffen. Super-Wetter, tolle Landschaft, fast nur (holländische) Caravans auf dem Platz.

12:00 Start, Bilderbuch-Tallandschaft bis Castellane, viele Bademöglichkeiten am Fluß, außerdem noch  etliche (weniger schöne) Campings. Der Größte leitet braune Brühe in den Fluß. Castellane: Nette Bar- und Restaurant-Zeile am zentralen Platz. Massen Motorradfahrer. Über den nächsten Paß auf den Hwy nach Grasse,
der totale Auto- und Motorrad-Terror. I

n Batie Abzweig Richtung Osten,  Kurz danach Pause im Niesel. Weiter durch freundliches, unspektakuläres Kiefern-bewachsenes Hinterland. Spektakuläre Klamm hinter St. Auban im Abendlicht. Lange Auffahrt nach Brianconnet, wilde Gegend. Weiter Richtung Collongues, am Paß kleine Forstraße zum Kamm, dort spektakulärer Biwakplatz mit Bomben-Panorama auf eine unzersiedelte Bergkette. Boxer wollte eigentlich wieder mal nicht halten, es ist 21:30 Uhr ... 23:30 Uhr Ruhe bei 14 Grad, reichlich Ameisen und Spinnen und sonstige Krabbel-Tierchen.

Montag, 12. Juni:  

7:30 raus, 13 Grad im Zelt, Salewa-Daune offen war etwas zu warm ! Nachts sehr trocken gewesen. Lange Abfahrt nach Collongues. Frisches Baguette und Tomate beim gerade anwesenden fliegenden Händler, hinter Collongues schöner Blick zurück auf die Klamm von St. Auban und Brianconnet. Runter zur D17, hoch nach La Penne (Hitze), Super-Panorama vom Paß auf das Var-Tal vor der 450-Hm-Abfahrt runter auf 418m nach Puget.

Leckerer Espresso am großen Platz. Boxer sieht wieder mal nur mühsam ein, daß es sinnvoll ist, heute hier "schon" Schluß zu machen: In der Klamm geht es 1000 Hm hoch, außerdem Nord-Süd-Ausrichtung mit optimaler Beleuchtung gegen Mittag. Es ist krachheiß hier unten, wir gehen auf den Camping am anderen Flußufer. Es gibt Stühle & Tische zum ans Zelt stellen ! Große Wäsche, krachheißes Duschwasser, Vorsichts-Schilder ! Zum Bäcker, super-leckere Nußecke, Supermarkt. Zum Camping, gepflegtes Essen am Tisch vor dem Zelt. Telefon-Karte France Telekom bei "La Poste" bekommen vor dem Espresso am Mittag.

Boxer packt wieder mal ein Paket mit Übergepäck, ca. 6 kg. 23:30 Uhr Ruhe, 20 Grad.

Dienstag, 13. Juni:  

6:50 raus, 8:00 Abfahrt zum Supermarkt, Nußecken vom Bäcker. Frühstück vor der Kirche, Post soll heute erst 10:00 öffnen, macht aber erst 10:30 auf, Boxer war der Meinung, es ist 9:00 offen. Bei 34 Grad Hitze und glühender Sonne quälen wir uns den Cians-Canyon hinauf. Die Herrlichkeit des Canyons hat stark unte dem Straßen-Neubau (1992.1998) gelitten: Ein überbreites Beton-Monstrum degradiert den Fluß zum Straßengraben. Die einstige Schönheit des Canyons ist nur noch an den neuen Tunnels erhalten, wo das malerische alte Bergsträßchen parallel für Radfahrer und Wanderer offen gehalten wird. Immerhin. An einer Stelle gehen die roten Felsen so eng zusammen, daß man sich wie in einer Höhle fühlt. An den weiten Stellen des Canyons herrscht jordanische Wüsten-Atmosphäre, viel weniger Vegetation als in der Verdon-Schlucht. Wenig Verkehr.

Nach über 1000 Hm Stop in Beuil, die ersten Skilifte. Noch 200 Hm zum Paß durch ausgedehnte Lärchenwälder und Wiesen, recht malerisch. Links vom Paß eine Almstraße zu einer riesigen Schafherde, rechts am Paß eine Wanderherberge, angeblich ganzjährig offen, eine Frau kommt mit dem Auto und meint "Ferme", wir können aber auf der Wiese über dem Haus zelten. Tolles Argentera-Panorama von der herrlichen, blumen-übersäten Wiese, bestens ausgeleuchtet von der Abendsonne. 23:00 Uhr Ruhe, 9 Grad.

Mittwoch, 14. Juni:  

6:45 raus, Morgensonne über der Argentera, Leggins + 1 Paar Socken + beide Schlafsäcke waren optimal. Viel Feuchtigkeit im Zelt, knapp 1700 Hm. 10:00 Start talab, Cola im Bistro-Herbergs-Lebensmittelladen-Restaurant am Dorfplatz, Lebensmittel-Einkauf. Heute zum ersten Mal Muskelkater !

Insgesamt 16 km Abfahrt durch ein wildschönes, urwüchsiges Tal, wasserreich, felsig und sehr schöner Mischwald, außer dem schön oben in den Felsen gelegenen Dorf keinerlei Besiedlung. Kastanien-Sterben auch hier. Runter ins Tal bis auf 450 Hm ! Schwerverkehr, aber mäßig.
Fahren hoch nach Valdeblore, krachheiß, nettes grünes Tal, viele Privat-Grundstücke, keine Siesta-Möglichkeit vor dem ersten Ort La Bolline ! Siesta mit Haare Waschen in kleinem Park. Wetterprognose ab übermorgen schlecht. Herrliche, unbewirtschaftete Blumenwiesen überall. Hoch zum Col d. Sant Martin, erodierte Skihänge und Kiefernplantagen.
Oben überaus häßliche Betonkasten-Skistation. Abfahrt nach St. Martin mit tollem Blick auf die Seealpen im Abendlicht, zunehmend klarer nach einigen Regentropfen und den dunklen Nachmittags-Wolken. Noch vor dem Ort am Fluß ein ausgesprochen idyllischer kleiner Campingplatz, ohne Telefonzelle, teures Handytelefonat. 23:30 Uhr Ruhe, draußen 13 Grad.

Donnerstag, 15. Juni:  

7:00 raus, 13 Grad im Zelt. Super-Wetter, 9:00 Start Tagestour. Durch Kiefern-Plantagen hoch zum häßlichen  Beton-Stausee und zum letzten Parkplatz vor dem allgemeinen Fahrverbot, gilt auch für Fahrräder, trotz überbreiter LKW-Straße zum Col de Salese. Zelten ist von 19:00 - 9:00 erlaubt.

Weiter zu Fuß auf herrlicher Strecke durch schönen Wald hoch in die Lärchenzone. Die Lärchen sind überwiegend ziemlich krank, die Nadeln sind schon gelb und vertrocknet. Geschlossene CAF-Hütte (kleines Blockhaus) mit laufendem Wasser, sonst gibt es weit und breit nirgends Wasser, außer unten im Salese-Tal und noch tiefer.
Der Lac de Adus hinter der Hütte liegt malerisch im lärchen-bestandenen Felskessel, wir stören ein Franzosen-Pärchen beim Techtelmechtel. In den Alpenrosen-Matten auf der anderen Seeseite Suchaktion nach Boxers Kamera-Deckel.

Weiter oben dann Aussichts-Balkon-mäßig  mit grandiosem Panorama-Blick  aufs Salese-Tal und die zentralen Seealpen bis auf die Höhe des Salese-Passes. Abstieg zum Paß, auf ausgetretenem, breitem Wanderweg durch (ausgelichteten) Lärchenwald zum Parkplatz. Während der ganzen Tour überall dichte, weitläufige Alpenrosen-Felder in voller Blüte.
Kühle Abfahrt, fahre dank meiner bewährt niedrigen Geschwindigkeit nicht in eine Herde Pferde, die mir hinter einer Kurve auf meiner Spur entgegen kommt. Unten essen, 22:45 Ruhe.

Freitag, 16. Juni:  

6:30 leichter Regen. 7:45 raus, trübe, Zelt innen total trocken, wärmer als abends. gegen 10:30 Start nach St. Martin de Vesubie ein Stück talwärts gelegen. Schöne Altstadt mit Pflaster-Bach in der steilen und schmalen Fußgänger-Zone und guter Bäcker.
Ausgiebig zweites Frühstück auf einer Bank vor dem Casino-Supermarkt. 13:00 Uhr ist alles dicht zur Siesta. Lange Abfahrt durch Vesubio-Tal und -Canyons. Oben kaum Verkehr, unten die totale Autohölle. Die eigentlich imposanten Canyons machen so keinen Spaß mehr, dazu kommt eine gewisse Canyon-Sättigung und die nicht so gute Beleuchtung heute. Im Var-Tal den Highway ein Stück südwärts zum Bahnhof. Die Bimmelbahn nimmt keine Fahrräder mit.

Nächster Abzweig rechts nach Vence, die lt. Karte durchgehende Straße ist als Sackgasse ausgeschildert, wir fahren trotzdem, sonst wären ca. 20 km Umweg fällig. Eine Steinmauer blockiert die Straße, fahren außen rum, Steinschlag auf der Straße, daneben ein aufgelassener und abgesperrter Campingplatz. Dann die nächste mannshohe Steinmauer, diesmal müssen die Bikes drüber gehoben werden. Dann ein fettes Villa-Swimmingpool-Grundstück, ab dort wird die Straße wieder in Schuß gehalten.

Fahren hoch Richtung Vence, schöne alte Ortschaften auf den Bergkuppen, weiter Blick übers Var Tal bis in die Seealpen vpm der Corniche de Var. 21:00 Camping kurz vor Vence, direkt an der Straße, die mit jeder Stunde lauter wird. Kostet 11 Euro zusammen, Bungalow wäre 35 Euro, Autos dürfen die ganze Nacht auf den Campingplatz fahren. Sternenklar nach einem meist diesigen Tag. Gegen Mitternacht hinlegen.

Samstag, 17. Juni:  

Horrornacht. Verkehrshölle ohne Ende. Gegen 6:30 Uhr leichter Regen. Stehe 9:00 völlig zerknautscht auf. Trocknen (Sonne !), packen, Kaffee. 11:00 Start. Gleich hinter dem Camping beginnt mit einer Tankstelle das Siedlungsgeschwür von Nizza. Runter zum nächsten Bahnhof hinter dem Flughafen von Nizza. Espresso, 20 Minuten später Zug nach Antiocha. Regen nach Ankunft, sehr warm.
Fetter Jachthafen, viel Betrieb in der Altstadt.

Fahren ums Cap Antibes nach Cannes. Nobelmeile, fette Hotels & Yachten. Verkehrshölle, wir fahren über die Strand-Boulevards. Boxer will um 19:30 nicht auf den ersten Camping, wie üblich. Wir fahren dann noch die Esterel-Küste, links unten in den roten Felsen kilometerweit Private Property & Gated Communites.  Im Esterel-Gebirge wilde Fels-Szenerie aus roten Felsen, aber viel zu spät zum Fotografieren.

Fahren in Trays 200 Hm den Berg hoch zur Jugendherberge, wo man angeblich zelten kann lt. unserem nagelneuen Müller-Führer. Ist aber "definitif ferme". Rollen dann noch bis zum nächsten Ort auf den Camp und sitzen 22:05 nach Aufbau beim Salatessen  im Bar Zelt, wo Boxer ein großes Theater wegen der alten & trockenen Baguettes macht. Alles schaut Fußball-WM.
23:30 Uhr bei 20 Grad Nachtruhe, stickig im Zelt, etwas Wind, die Bahnlinie ist hier im hintersten Winkel des Campings ausreichend weit weg, um mit Ohropax nicht zu stören.

Sonntag, 18. Juni:  

6:45 raus, 24 (!) Grad, dunkle Wolken, miserabel geschlafen, viel zu warm, selbst mit dem dünnen Schlafsack als Decke. Donner aus den Wolken, Blitzpacken zum Morgen-Kaffee. Erste Tropfen fallen, ist aber schnell vorbei. Einkaufen im Camping-Supermarkt. Fahren dann weiter die Felsenküste entlang.
St. Raphael, Urlaubsort der einfachen Art, mit riesigem Sonntags-Ramsch-Markt längs der Küste. Keine Nahverkehrszüge Richtung Nizza. Wir geben Gas Richtung Le Arcs, finden einen schönen, typischen Sonntags-Markt & Bistro.Atmosphäre in Le Muy.

Le Arcs: Der Kreis hat sich geschlossen. Aber der nächste Regional-Express nimmt keine Räder mit. Ticket kaufen für Schnellzug (20 Euro) + Bike mit Reservierungspflicht für 10 Euro. Teatime im Schatten der Bäume auf dem Vorplatz. 14:46 Start im komfortablen und wohltemperierten Zug nach Marseille. Mega-Obstessen im Zug. In Marseille 30 min Stadtrundfahrt, Afrika total, viel Renovierung im Gange, Bahnhofs-Neubau, Händler überall, noch am letzten Bauzaun. Busticket kaufen, Bike verpacken, durch die Banlieus zum Flughafen.

Einchecken als einer der Ersten, Fensterplatz vorne. Espresso trinken, durch die Sicherheit, dahinter kein Shopping-Rummel mehr, davor kaum. Wieder krachheiß heute, die Sonne scheint seit gestern mittag.



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